Kauft die Zeit aus

Geht es Ihnen manchmal auch so wie mir? Ich komme immer erst nach Weihnachten und Neujahr etwas zur Ruhe und zum Nachdenken. Auch zum gedanklichen Sortieren, was mir wichtig war und ist. Und was ich gerne neu oder anders angehen würde.
Mir ist in diesen Tagen ein Bibelwort aus dem Epheserbrief (5,15-16) in den Sonntagsgedanken bei SWR 4 begegnet. Da heißt es: Kauft die Zeit aus! Was so viel bedeutet wie: Nutzt die Zeit, so gut ihr könnt. Und überlegt, was wirklich wichtig ist und richtig vor den Augen Gottes.
Mit jedem neuen Jahr merke ich mehr, dass meine Zeit begrenzt ist und die Lebensspanne, die mir bleibt, kürzer wird. Das löst bei mir keine Panik aus, aber ich bin doch etwas nachdenklicher geworden. Auch weil die Herausforderungen gewachsen, meine eigenen Grenzen deutlicher und die noch übrigen Jahre überschaubarer geworden sind. Irgendwie möchte ich meine Zeit und meine Kraft sinnvoll einsetzen. Mit dem, was mir Gott gegeben hat, auch an Gesundheit und Wissen, möchte ich konzentrierter umgehen.
Diesmal sind mir drei Dinge aufgefallen, die ich anders angehen möchte.
Die erste Einsicht ist schmerzhaft: Ich sammle zu viel. OSTEREIER und andere schöne Dinge, Deco, Krimskrams. Dazu immer wieder Bücher. Und wie vielen Sammlern geht es mir so, dass ich die schönen Dinge in Schubladen und Schränken lagere und sie oft gar nicht richtig nutzen und genießen kann. Weniger ist manchmal wirklich mehr. Aber mich von etwas zu trennen, fällt mir trotzdem nicht leicht. Obwohl es zu viel wird. Eine Überlegung wäre ja, immer wenn was neues dazu kommt, etwas altes zu entsorgen. Aber gilt das auch für Ostereier, schöne Dinge und Bücher? Und obwohl es „nur“ mein Hobby ist, und auch künftig nicht zu viel von meiner Zeit auffressen sollte.
Zweitens merke ich, dass ich nicht alles schaffe, was ich gern tun würde: Ich habe so viele Ideen und es gibt so viele private und ehrenamtliche Projekte, die ich auch noch anpacken könnte – dabei bin ich eigentlich mit meinen Kernaufgaben mehr als gut ausgelastet. Und es kommt auch immer wieder mal Neues dazu. Häufig fällt es mir schwer, nein zu sagen. Manchmal geht das auch nicht. Und manchmal nehme ich mich zu wichtig, statt mich auf weniger zu konzentrieren. Ja, ich will noch strenger sortieren, nur noch das anpacken, wozu man mich wirklich braucht und was andere nicht genauso gut oder besser können. Ich will mich nicht drücken, aber ebenso wenig verzetteln, damit nicht das Wichtige zu kurz kommt.
Und drittens: Ich will mich wieder mehr um einen überschaubaren Kreis von Menschen kümmern, um Freunde, die lange zu kurz gekommen sind. Und um die in der Familie, die mich gerade besonders brauchen. Ich will Zeit für sie haben, zuhören können ohne schnell Lösungen bereit zu haben. Einfach ganz da sein für sie. Das heißt für mich: Kauft die Zeit aus!
Das heißt, einiges aufzugeben, damit ich mich auf anderes besser konzentrieren kann und auch ganz da sein kann für andere. Kauft die Zeit aus! – heißt es in der Bibel.
Und dort lautet der Nachsatz: Denn es sind böse Zeiten. Ich selbst bin eher eine Optimistin und sehe vieles nicht so kritisch. Aber ich erlebe, dass die Sorgen unserer Zeit, manchen in meinem Umfeld doch sehr zusetzen. Umso mehr, wenn persönliche Sorgen und Nöte dazukommen.  Viele Menschen erleben wahrhaft böse Zeiten.
Ich will meine Zeit nutzen, Ihnen besser beizustehen in diesem neuen Jahr, mit meiner Zeit und meinen Möglichkeiten und meinen begrenzten Mitteln. Dazu gehört für mich auch das Gebet. Mit ihnen und für sie.
Kauft die Zeit aus!
Unser Verein ist mir sehr lieb und wichtig. Ich würde gern immer noch etwas Neues ausprobieren. Ich würde gern mehr Zeit in meine Hobbies stecken, mehr Musik hören, mehr lesen. Da verliert man aber schnell die aus den Augen oder sie treten an die zweite und dritte Stelle, die in nächster Nähe auf einen bauen.
Wie wichtig sind beispielsweise wir Großeltern für unsere Enkelkinder. Auch dass wir uns Zeit für sie nehmen, ihnen zuhören, ihnen etwas weitergeben von unseren Lebenserfahrungen, von unserem Glauben, und immer wieder die einfache und doch so wichtige Botschaft: Du junger Mensch bist mir wichtig und wertvoll. Ich freue mich über dich und ich will gerne neben Deinen Eltern auch für dich da sein.
Kauft die Zeit aus! Nützt sie mit euren Möglichkeiten.
Letzte Woche waren wir mit dem Aktiv-Treff bei einer Familie, die privat ein riesiges Krippenmuseum geschaffen hat. Die ältere Dame, die uns ein wenig all die wunderschönen Krippenlandschaften erklärte, kam plötzlich ins erzählen. Ein großes Anwesen, viele wertvollen Gebäude, eine kleine Kapelle und die mehr als 100 000,00 Euro wertvollen Krippen. Sie hat sich von all dem verabschiedet und eine kleine Einheit in einer Seniorenwohnanlage gekauft. Zitat: „Hier gehört mir keine einzige Figur!“ Auf Nachfrage, es gehört den Söhnen.
Kauft die Zeit aus! Konzentriert euch auf das, was wirklich wichtig und Gott wohlgefällig ist: Manchmal habe ich den Eindruck, dass ich gar nicht so sehr mehr Erholung brauche, sondern eher immer wieder eine neue Ausrichtung.
Das wünsche ich auch uns immer wieder und ein gesegnetes neues Jahr 2026.